Wie kann man Kindern erklären, was Haft bedeutet? In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neumünster haben sich mehrere Väter mit dem Thema „Wenn Papa im Gefängnis ist“ auseinandergesetzt. Aus dem Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Diakonie Altholstein ein kleines Buch entstanden.

Was heißt Gefängnis? Wie sieht es dort aus? Und was macht die Haft mit uns als Familie? In der JVA Neumünster haben sich 14 Väter mit der Beziehung zu ihren Kindern während ihres JVA-Aufenthalts auseinandergesetzt. Das daraus entstandene Büchlein soll vor allem Drei- bis 15-Jährigen helfen, das System Gefängnis zu verstehen.

Das Werk erläutere, wie sich die Haft auf das Familienleben auswirkt, sagt Gesa Kitschke von der Diakonie Altholstein bei der Buch-Vorstellung. Gleichzeitig beschreibe es die Auswirkungen auf die Kinder der Inhaftierten.

So biete es Inhaftierten und ihren Familien Orientierung im Umgang mit negativen Gefühlen und den veränderten Lebensumständen, die sich ergeben, wenn ein Elternteil in Haft ist, heißt es.

Die Geschichte handelt von Kim, deren Vater nicht nach Hause kommt, wie das Mädchen einer Taube erzählt. Aus Sicht der Taube wird dann der Gefängnisalltag von Kims Vater erzählt. Dieser habe einen strikten Ablauf und auch Arbeit im Gefängnis, heißt es dort. Am Ende der Kurzgeschichte befindet sich der Vater im offenen Vollzug bis hin zu seiner Entlassung.

Die Geschichte beschreibe den Alltag gut: Man müsse immer um Erlaubnis bitten und fragen, berichtet der Inhaftierte, der die Zeichnungen für das Büchlein angefertigt hat. Für ihn sei es wichtig, seiner Familie von seinem Alltag zu erzählen. „Wenn man hier ist, ist es ganz anders, als man sich das von draußen vorstellt. Es ist ein ganz anderes Leben hier.“

Die Idee zum Buch ist aus einem Beratungsangebot in der JVA entstanden. Es sei eine Möglichkeit zum freiwilligen Austausch in der Gruppe, sagt Yvonne Radetzki, Leiterin der JVA Neumünster. Schleswig-Holstein sei eines der wenigen Länder, die so ein Beratungsangebot zum Schwerpunkt haben. In der JVA Neumünster befinden sich aktuell 400 Gefangene bei insgesamt 455 Haftplätzen.

Zielgruppe des kleinen Büchleins seien vor allem Drei- bis 15-Jährige, die Kinder, aber auch die erwachsenen Angehörigen der Inhaftierten. „Das Büchlein kann auch als Chance genutzt werden, abends beim Vorlesen ins Gespräch zu kommen“, sagt Kitschke. Es sei gut für die Kinder, wenn sie merken, dass es auch andere Kinder gebe, die in einer ähnlichen Situation sind.

Die Vätergruppe habe sich 15 Monate lang mit der Frage auseinandergesetzt, wie Kinder mit dem Thema Haft umgehen und welche Informationen sie brauchen, um das System Gefängnis zu verstehen. „Wie spreche ich mit meiner Frau und meinen Kindern?“, sei eine häufige Frage bei den Inhaftierten, sagt Kitschke.

Das Ziel sei darüber hinaus noch ein anderes: „Nur so können wir Verständnis schaffen für das, was hier passiert, und transparent für die Öffentlichkeit sein“, meint Radetzki. „Außerdem kann das Büchlein helfen, die Väter aus ihrer Sprachlosigkeit herauszubekommen“, ergänzt Kitschke.

Quelle
https://www.nordkirche.de
epd

Filmbericht: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Vaeter-im-Gefaengnis-Kinderbuch-Projekt-in-der-JVA-Neumuenster,shmag109418.html