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Vater und Beruf

Vereinbarkeit: „Eine leise Revolution in den Firmen“

HANDELSBLATT: Frau von der Leyen, Sie haben sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf die Fahnen geschrieben und viel bewegt. Tun Unternehmen genug für Mitarbeiter mit Familie?

Von der Leyen: Wir können und müssen da noch besser werden, aber ich spüre deutlich ein Umdenken in innovativen Firmen. Diese Trendsetter wissen: Familienbewusstsein ist ganz entscheidend, wenn sie heute Fachkräfte halten und morgen noch am Markt sein wollen. Wer in guter Balance zwischen Familie und Beruf seine Kinder erziehen oder ältere Angehörige pflegen kann, bringt auch dem Unternehmen Rendite. Denn er ist loyaler und leistungsbereiter. Unternehmen, die sich auf Familie nicht einlassen, wird der Markt bald gnadenlos abstrafen. In einer GfK-Studie sagten 80 Prozent der befragten Fachkräfte von 25 bis 40 Jahren: Ist mein Job mit Familie nicht vereinbar, dann suche ich einen anderen.

Väter: "Rollenwechsel mit Hürden"

Nur wenige Männer machen den Schritt tatsächlich: Immer noch sind die Widerstände groß, wenn Väter in Elternzeit gehen möchten. Der Rollenwechsel vom Brötchenverdiener zum aktiven Vater ist keine Kleinigkeit. Die Regelung zum Elterngeld, das nur dann 14 Monate lang gewährt wird, wenn auch der Vater mindestens zwei Monate aus dem Beruf aussteigt, hat daran wenig geändert.

Experten bescheinigen den Männern, nicht weniger geeignet für den Job zwischen Wickelkommode und Herd zu sein. Wenn sie den Schritt raus aus dem Büro oder weg von der Werkbank geschafft haben, seien sie zu derselben Fürsorge in der Lage wie Mütter, sagt Prof. Hartmut Kasten vom Institut für Frühpädagogik in München. "Männer sind bei der Betreuung der Kinder genauso geschickt."

Das Problem sei einfach: "Das machen eben nur sehr wenige." Auch den aktuellen Zuwachs an Männern in Elternzeit sieht der Familienforscher nüchtern: "Da gibt es keinen Grund zu Euphorie." Die Zunahme sei damit zu erklären, dass der Kreis derer größer geworden ist, für den sich das finanziell lohnt. "Die neuen Väter gibt es nicht", ist Kasten überzeugt.

Nach wie vor sei der Druck in der Arbeitswelt zu groß, als dass sich Männer in großem Stil trauten, die Betreuung ihrer Kinder zu übernehmen. "Die Kollegen sagen, was macht der denn da?" Selbst von denen, die Elternzeit nehmen möchten, macht es nur ein kleiner Teil: "Umfragen zeigen, dass mehr als ein Drittel gerne aktive Väter wären", sagt Volker Baisch vom Verein Väter in Hamburg. "Aber drei Viertel aller Männer fürchten sich vor Karriere-Einbußen, wenn sie sich um die Kinder kümmern."

Wirtschaft: "Mit Kindern rechnen"

Dahinter steckt weniger die soziale Art des Management, sondern harte betriebswirtschaftliche Kalkulation: Wenn Eltern ihren Nachwuchs versorgt wissen, arbeiten sie besser, haben Firmen entdeckt. Und investieren daher mehr in Betreuung.

Berlin - Als Andrea Wünsche vor zwei Jahren mit ihrer Firma in die „WeiberWirtschaft“ zog, war das für sie das Ende einer Odyssee. Denn das Gründerinnenzentrum, das in Berlin-Mitte Büros an selbstständige Frauen vermietet, hat einen eigenen Kindergarten. „Vorher musste ich unzählige Tagesmütter für meine kleine Tochter Daria engagieren“, sagt Wünsche, die eine BuchungsAgentur für Musiker betreibt. Jetzt geht sie mit der Zweijährigen morgens gemeinsam zur Arbeit.

Immer mehr Unternehmen in Deutschland entdecken, dass ihr unternehmerischer Erfolg auch von der Familiensituation ihrer Mitarbeiter abhängt. Weil das Konzept der „WeiberWirtschaft“ aus Sicht des Bundesfamilienministeriums ein gutes Beispiel dafür ist, wie das funktionieren kann, hat es das Gründerinnenzentrum als einziges Berliner Unternehmen in die letzte Runde des Wettbewerbs „Erfolgsfaktor Familie“ geschafft.

„Wir beobachten, dass in der Wirtschaft zurzeit ein Mentalitätswandel stattfindet“, sagt ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums. Dahinter steckt weniger die soziale Ader des Managements, sondern harte betriebswirtschaftliche Fakten. Es rechnet sich, Müttern und Vätern familienfreundliche Arbeitsmodelle anzubieten. Auch der demografische Wandel zwingt die Firmen zum Handeln: Wegen des Geburtenrückgangs erwarten Wirtschaftsexperten ab 2012 einen drastischen Mangel an Fachkräften. 40 000 fehlen schon heute, schätzt der Industrie- und Handelskammertag.

Elternzeit: Für Väter ist Berufsausstieg schwierig

Für Männer ist der vorübergehende Ausstieg aus dem Beruf für eine Elternzeit oft schwieriger als für Frauen. Das geht aus einer Studie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF) in Berlin hervor.

Von Männern wird laut der Studie, die die Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh in Auftrag gegeben hat, noch stärker bedingungslose Einsatzbereitschaft erwartet. So berichteten die männlichen Befragten von zahlreichen Widerständen und von Unverständnis, auf das sie in ihrer Firma trafen.

Nur ein Drittel der Befragten ist der Ansicht, dass das eigene Unternehmen Väter bei der Wahrnehmung von Familienpflichten unterstützt. Und nur 13 Prozent glauben, dass Unternehmen bei Männern gleichermaßen wie bei Frauen mit familiären Auszeiten rechnen.

Die Mehrheit der befragten Männer und Frauen (90 Prozent) wünscht sich, bei Bedarf auch zu Hause arbeiten zu können. Tatsächlich werde aber nur in 36 Prozent der Unternehmen eine solche Flexibilität unterstützt. In diesen Firmen zählten die Arbeitsergebnisse und nicht etwa die Dauer der Anwesenheit, so die Bertelsmann-Stiftung. Dagegen kritisieren 46 Prozent der Befragten, dass in ihrem Beruf ein hohes Maß an täglicher Anwesenheit entscheidend für die Karriere ist. An der Studie nahmen rund 1200 Männer und Frauen teilt.

Studie: Rabenväter wider Willen

Bensheim, 07.04. 2008 - Väter in Deutschland fühlen sich bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf von ihren Arbeitgebern nicht genügend unterstützt. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Anforderungen von Vätern an einen familienfreundlichen Arbeitgeber“, die von der hessenstiftung – familie hat zukunft vorgelegt wurde.

360 Väter zwischen 21 und 66 Jahren im gesamten Bundesgebiet wurden im Auftrag der Stiftung von der IGS - Organisationsberatung befragt. Von diesen leben die meisten in festen Partnerschaften, haben im Durchschnitt 2 Kinder und 84 Prozent von ihnen stehen in einem Vollzeit-Arbeitsverhältnis.Nur rund 40 Prozent der befragten Väter bezeichnen ihren Arbeitgeber als familienfreundlich, somit sind knapp 60 Prozent der Studienteilnehmer unzufrieden mit den Bedingungen am Arbeitsplatz, die dem Familieneben entgegenkommen.

Hinzu kommt, dass knapp 71 Prozent der Arbeitnehmer negative Konsequenzen befürchten, wenn sie familienfreundliche Angebote, wie etwa die Elternzeit, nutzten. Sogar 30 Prozent beobachten bei denjenigen Vätern ein negatives Image, die der Familie ein größeres Gewicht als der Arbeit beimessen.

Familien leiden unter langen Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten von Müttern und Vätern sorgen offenbar für Zeitnot in den Familien. Hauptgrund seien lange Arbeitszeiten von Männern, wie eine am 28. März in Düsseldorf vorgestellte Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ermittelt hat. In den westdeutschen Bundesländern arbeiten Väter im Durchschnitt 17 Stunden pro Woche länger als Mütter. Auswertungsgrundlagen waren eine neue Umfrage unter 2000 Beschäftigten und ein Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2005 mit rund 30.000 Befragten.

Die WSI-Studie geht davon aus, dass ein Drittel der Familien in Deutschland unter Zeitnot leidet. Hauptursache sind demnach die nach wie vor langen Arbeitszeiten von Vätern, die der zunehmenden Erwerbstätigkeit der Mütter kaum Rechnung tragen: 97 Prozent der Väter arbeiten Vollzeit, 57 Prozent mehr als 40 Stunden pro Woche. Aber auch 42 Prozent der Mütter sind vollzeitbeschäftigt, 17 Prozent von ihnen arbeiten mehr als 40 Stunden in der Woche.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern

Obwohl eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf seit vielen Jahren auch von Arbeitgebern und Politik gefordert wird, sieht die Wirklichkeit anders aus. 42 Prozent der Beschäftigten haben danach erhebliche Probleme, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beruflichem und privatem Leben zu erreichen. Wie eine am Freitag (7. März 2008) in Berlin vorgestellte Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit weiter ergab, hängt die sogenannte Work-Life-Balance entscheidend von der tatsächlichen Länge der Arbeitszeit und vom beruflichen Stress ab. So ergab die Befragung der rund 6.000 ArbeitnehmerInnen, dass Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 44 Wochenstunden arbeiten müssen, aber 38 Stunden für ideal halten. Dagegen wünschen sich die meisten Teilzeitbeschäftigten offenbar aus finanziellen Gründen eine längere Arbeitszeit.

Besonders bedenklich ist, dass nur 31 Prozent der Befragten angeben, ihr Arbeitgeber berücksichtige familiäre Bedürfnisse in relevantem Umfang. Fast genauso viele (26 Prozent) beklagen, dass ihr Arbeitgeber diesem Thema keine Bedeutung zumisst. Wenn es betriebliche Modelle zur Vereinbarkeit gibt, dann stehen an erster Stelle familiengerechte Arbeitszeiten (34 Prozent), gefolgt von Arbeitsorganisation wie Teleheimarbeit (16 Prozent). Nur 4 Prozent der Betriebe bieten Kinderbetreuung an.

Förderprogramm Betrieblich unterstützte Kinderbetreuung gestartet

Das Förderprogramm richtet sich an Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten, die in Kindertageseinrichtungen neue, zusätzliche Gruppen für Mitarbeiterkinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr schaffen. Es setzt auf eine Kooperation zwischen den Unternehmen und öffentlichen sowie freien Trägern von Betreuungseinrichtungen.

Die Träger erhalten für die Betreuung von Mitarbeiterkindern 50 Prozent der Betriebskosten bis zu einer Obergrenze von 6.000 Euro für jeden neuen Platz im Jahr. Der Zuschuss wird bis zu zwei Jahre lang gezahlt. Insgesamt stehen für das Programm bis Ende 2011 50 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung.

Mehr Informationen zum Förderprogramm sind beim Unternehmensprogramm "www.erfolgsfaktor-familie.de" veröffentlicht. Die kostenlose Beratungshotline erreichen Sie telefonisch unter 0800-0000 945.

Die Angst der Männer vor der Familie

Sind Männer die Verlierer der Globalisierung? Eine repräsentative Umfrage zeigt: Männer haben Angst vor Familiengründung. Verantwortlich seien wachsender Wettbewerbsdruck und die Einstellung der Unternehmen zu Familienvätern; junge Männer zeigten immer häufiger „Überforderungssymptome“. Nun begibt sich eine Expertenkommission auf Ursachensuche.

Betriebskitas mit 50 Millionen Euro gezielt fördern

Mit einem neuen Förderprogramm unterstützt das Bundesfamilienministerium Unternehmen, die für die Kleinkinder ihrer Beschäftigten neue Plätze in Kindertageseinrichtungen schaffen. Für das Programm stehen bis Ende 2011 insgesamt 50 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds bereit. "Das ist ein starkes Signal für die zahlreichen Unternehmen, die ihre Beschäftigten bei der Kinderbetreuung unterstützen wollen", erklärte Bundesfamilienministerin von der Leyen. "Sie erhalten einen neuen Anreiz dafür, dass aus ihrer Bereitschaft gelebtes Engagement wird."

Das Förderprogramm richtet sich an Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten, die in Kindertageseinrichtungen neue, zusätzliche Gruppen für Mitarbeiterkinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr schaffen. Es setzt auf eine Kooperation zwischen den Unternehmen und öffentlichen oder freien Trägern von Betreuungseinrichtungen. Die Träger erhalten für die Betreuung von Mitarbeiterkindern 50 Prozent der Betriebskosten bis zu einer Obergrenze von 6.000 Euro für jeden neuen Platz im Jahr. Der Zuschuss wird bis zu zwei Jahre lang gezahlt.

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