Bis acht jährige Kinder lernen durch Lob
Kleine Kinder können mit Kritik nichts anfangen
Hirnforscher haben herausgefunden, dass das Gehirn von achtjährigen Kindern fast ausschließlich auf positives Feedback reagiert. Erst ab dem Alter von zwölf Jahren wandelt sich der Effekt zum Lernen durch Kritik.
Ein Lob wirkt vor allen Dingen bei jungen Kindern bis acht Jahren. Ein negatives Feedback wie verstehen sie dagegen erst mit zwölf Jahren so richtig. Noch effizienter lernen Erwachsene aus Fehlern. Ein Forscherteam um Eveline Crone von der Universität in Leiden hat dies jetzt herausgefunden, als sie die Aktivierung der Gehirnregion für mentale Kontrolle untersuchten. Ihre Ergebnisse beschreiben die Gehirnforscher in der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience".
Dass Achtjährigen nach einer negativen Rückmeldung ungewöhnlich viele Fehler unterlaufen, hatten bereits frühere Studien ergeben. Crone und ihre Kollegen verglichen jetzt jedoch erstmals Kinder verschiedener Altersstufen sowie junge Erwachsene.
Das Gehirn von Achtjährigen reagiert anders
Für die Studie mussten Probanden aus den verschiedenen Altersklassen am Computer verschiedene Aufgaben lösen, um Regeln dahinter zu entdecken. Fanden sie die richtige Lösung, erschien ein Häkchen auf dem Bildschirm, bei einem Fehler dagegen ein Kreuz. Mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) untersuchten die Wissenschaftler währenddessen die Reaktion, die das Feedback in den Gehirnen der Probanden auslöste. Wenn Bereiche im Gehirn aktiv sind, werden sie stärker durchblutet, um sie mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Die fMRT macht diese Veränderungen sichtbar und zeigt damit, welche Bereiche im Gehirn gerade besonders aktiv sind.
Die Wissenschaftler beobachteten, dass Gehirnregionen, die für mentale Kontrolle zuständig sind, bei acht- und neunjährigen Kindern stark auf ein positives und kaum auf negatives Feedback reagieren. Bei Zwölf- bis Dreizehnjährigen und bei Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren ist genau das Gegenteil der Fall: Die Kontrollregionen, die Gebiete im Stirnhirn und im Schläfenlappen umfassen, sind bei einem Fehler besonders aktiv und reagieren bei einer richtigen Antwort kaum.
Wichtige Erkenntnisse für Pädagogen
Ob die Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Kindern durch die Reifung des Gehirns oder durch Lernerfahrungen zustande kommen, ist bisher allerdings noch unklar. "Vermutlich ist es eine Kombination aus beiden Faktoren", sagt Crone.
Die Ergebnisse könnten besonders wichtig für Menschen sein, die Kindern etwas beibringen möchten. Denn Pädogogen müssen wissen: "Wie arbeite ich mit einem achtjährigen Kind am besten und wie mit zwölfjährigen?"
Quellen Stern/ dpa
nis/DPA