Richard Hauser fordert finanzielle Kindergrundsicherung
Evangelische Akademie: Ökonom
Auf einer Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing diskutieren Experten aus Wissenschaft, Politik und Verbänden über die Entstehung von Kinderarmut sowie über Ansätze zu ihrer Bekämpfung. Eine finanzielle Grundsicherung für Kinder hat der Wirtschaftswissenschaftler Richard Hauser von der Universität Frankfurt a. Main gefordert. Eine notwendige Bedingung für die Bekämpfung von Kinderarmut sei es Familien durch eine Kindergrundsicherung zu entlasten.
In zwei Varianten sieht das Modell der Grundsicherung eine Zahlung von 502 oder 454 Euro pro Monat und Kind an die Eltern vor. Dadurch stünden Eltern im unteren Einkommensbereich sowohl ausreichend Mittel für das "sächliche Existenzminimum" als auch für die weitergehende Förderung und Ausbildung ihrer Kinder zur Verfügung, erläuterte Hauser. Aufgrund der Besteuerung sinke der Nettobetrag der Kindergrundsicherung im mittleren und oberen Einkommensbereich. Hier müssten Eltern für sozio-kulturelle Ausgaben stärker das Familieneinkommen hinzuziehen.
Nach Angaben des Wissenschaftlers würde bei der Zahlung von 502 Euro monatlich die Armutsquote bei unter 16-jährigen Kindern um 80 Prozent sinken. Außerdem führe die Kindergrundsicherung zu einer deutlichen Reduzierung von Verwaltungskosten und einer besseren Transparenz der Sozialleistungen für Kinder. Es finde sowohl eine Umverteilung zwischen Familien mit höherem und niedrigerem Einkommen als auch zwischen Familien mit Kindern und Kinderlosen statt. Zur Finanzierung schlug Hauser eine Erhöhung der Einkommenssteuer, zum Beispiel in Verbindung mit einer erhöhten Mehrwertsteuer vor.