Studie enthüllt Ursache von Übergewicht bei Kindern
In einer mehrjährigen Studie ermittelten Sozialwissenschafter der Universität Stuttgart die sozialen Ursachen von Adipositas. Der Zerfall sozialer und kultureller Strukturen trägt maßgeblich zu Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern bei. Insbesondere die sich lösenden Familienbande begünstigen laut Studie die Neigung zu fettigem und süßem Essen und wenig Bewegung. Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen haben in den vergangenen Jahren in den Industriestaaten zugenommen.
Dicke Kinder sind laut Studie eine Folge der gesellschaftlichen Modernisierung. Übergewicht wird maßgeblich durch drei Faktoren begünstigt: Neben individuellen Dispositionen und Gewohnheiten sind dies die Lebensbedingungen in einer Überflussgesellschaft, in der kalorienreiche Lebensmittel jederzeit zur Verfügung stehen und der Alltag sich durch Technik ohne große Kraftanstrengung bewältigen lässt. Zudem bereiten viele Familien den Nachwuchs schlecht auf diese Lebensbedingungen vor, und Kinder werden häufig sich selbst überlassen.
Die Forscher fordern nach Angaben der Universität ein radikales Umdenken im Umgang mit dem Problem: So sollten die Rahmenbedingungen für eine passiv-konsumorientierte Freizeitgestaltung und Überernährung vermieden werden. Explizit raten sie zu der von der Bundesregierung abgelehnten Ampel-Kennzeichnung besonders fett- oder zuckerhaltiger Lebensmittel. Diese habe vor allem die indirekte Wirkung, dass es sich Firmen nicht leisten können, viele rote Produkte im Regal zu haben und daher auf gesündere Nahrungsmittel umstellen.
Fähigkeit, kompetente Entscheidungen zu treffen
«Was die Kinder in Anbetracht der hoch technisierten Überflussgesellschaft vor allem brauchen, ist die Fähigkeit, kompetente Entscheidungen zu treffen und diese regelgeleitet und wenn nötig selbstdiszipliniert zum Wohle ihrer Gesundheit umzusetzen», sagt der Forscher Michael Zwick. «Diese Fähigkeiten werden normalerweise im Elternhaus erlernt.»
Durch zerfallende Familien oder berufsbedingte Abwesenheit der Eltern seien viele Kinder sich selbst überlassen. «In den betroffenen Familien isst jeder, salopp gesagt, wann, wo und was er will, und die Freizeitgestaltung folgt dem selben Muster», sagt Zwick.
Quelle: The Associated Press